Interview mit Terence und Bud
 
Ihr beide habt seit dem Film 'Hannibal' zusammengearbeitet...
Bud: Wir wußten nichts von dieser Sache mit 'Hannibal', wir kannten uns damals noch nicht. Wir haben die Szenen getrennt gedreht und uns nie am Drehort getroffen.

Also begann eure Zusammenarbeit 1967 mit dem Film 'Gott vergibt, wir beide nie', und hielt 35 Jahre. Wie habt ihr das Interesse des Publikums an euren Filmen gehalten?
Terence: Wir haben langsam gemacht und nur einen Film pro Jahr zusammen gedreht, obwohl die Produzenten wollten, daß wir zwei oder drei drehen. Wir haben jedoch sofort gesagt: Wenn wir uns halten wollen, sollten wir uns nicht verheizen!
Bud: Und wenn wir nicht zusammen gedreht haben, haben wir getrennt Filme gemacht.

Der große Erfolg kam jedoch mit dem Film 'Die rechte und die linke Hand des Teufels' und der Fortsetzung 'Vier Fäuste für ein Halleluja'.
Bud:
Nein, 'Gott vergibt, wir beide nie' war schon ein finanzieller Erfolg.
Terence: Diese Tatsache ist nie in Erwägung gezogen worden. Wir sind etwas spät zum Western gekommen. Ich hatte schon ein paar in Deutschland gedreht und dachte, daß ich im Jahr 1964, als Leone 'Für eine Handvoll Dollar' drehte, den Zug schon verpaßt hätte. Als wir 'Gott vergibt, wir beide nie' drehten, war dieses Filmgenre in Italien schon wieder fast out und der Erfolg des Films, der außergewöhnlich war, überraschte uns. Die Filme waren jedoch gut gemacht, von guten Regisseuren, die schnell gedreht und gearbeitet haben, mit einem kleinen Budget. Sie verkauften sich auch gut im Ausland. Anfang der 70er Jahre war das Ende des Westerns in Italien und dann kam Trinity - der 'müde Joe'. Das war jedoch nicht unser Verdienst, wir haben nie gesagt: "Wir machen diesen Film jetzt lustiger, damit wir die Krise überstehen". Was wir jedoch gut gemacht haben, ist, das Drehbuch zu mögen und zu bitten, die Rolle des 'Kleinen' zu erweitern, um wieder zusammen arbeiten zu können.

Wie kam der Wechsel vom Western zu euren nachfolgenden Filmen zustande?
Terence: Wir wollten uns nicht wiederholen. Heute finden wir das schade, weil Enzo Barboni, der Regisseur von 'They Call Him Trinity' (Deutscher Titel: 'Die rechte und die linke Hand des Teufels') sich schon einen schönen Titel ausgedacht hatte: 'And They Insist To Call Him Trinity'. (Übersetzung: 'Und sie bestehen darauf, ihn Trinity zu nennen'). Aber zu der Zeit gab es noch keinen Stallone, der 5 'Rocky' Filme gedreht hat, so dachten wir, daß zwei Fortsetzungen zu viel seien. Wir haben dann versucht, ein anderes Umfeld zu finden und sind nach Kolumbien gereist, um dort Piloten im Film 'Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle' zu spielen.

Wie kamt ihr zu euren Künstlernamen?
Terence: Ich habe meinen aus einer Liste gewählt. Ich hatte nur wenige Stunden Zeit, um einen amerikanisch klingenden Namen zu finden und bekam diese Liste. Ich habe Literatur studiert und mochte Terenzio...
Bud: Ich hatte keine Liste! Ich hatte eine Flasche Budweiser - mein Lieblingsbier - vor mir. Und Spencer Tracy war immer mein Lieblingsschauspieler, also war meine Wahl ganz einfach!

Es gibt Diskussionen über die neue Generation der Synchronsprecher, die weniger gut sein soll, als die vorherige. Ihr beide habt eure Karrieren jedoch dank der Synchronisation aufgebaut...
Bud: Nicht ganz. Am Anfang ja, wir wurden synchronisiert, aber man muß in Erwägung ziehen, daß all unsere Filme auf Englisch gedreht wurden, weil sie schon in der Produktionsphase ans Ausland verkauft wurden.
Terence: Zu der Zeit war das kein Problem, es wurde einfach so gemacht. Und wir hatten beide das Glück, zwei exzellente Synchronsprecher zu haben, Pino Locchi synchronisierte mich und Glauco Onorato Bud. Ähnliches passierte mit Clint Eastwood, als er die Leone Filme drehte: Eastwoods Stimme war völlig anders als die Stimme seines Synchronsprechers Enrico Maria Salerno, also war das Endergebnis, die Interpretation, völlig anders.

Eure Filme hatten immer die perfekte Mischung: Von der Zusammenarbeit mit Enzo Barboni über die Soundtracks der Fratelli De Angelis zu den immer lustigen Drehbüchern. Wie habt ihr es geschafft, jedes Jahr einen Erfolg zu verbuchen?
Bud:
Das wußte niemand, nicht mal die Drehbuchautoren. Es passierte ganz automatisch. Wir haben unglaubliche Dinge in ganz Europa gesehen: In Schweden mußte man - trotz Untertiteln - Leute mit der Ambulanz aus dem Kino holen, weil sie mit dem Lachen nicht mehr aufhören konnten!

Und ihr seid immer noch ein Kassenrekord...
Bud: Wir sind besser als 'Vom Winde verweht'! Das Magazin 'Variety' hat eine inflationsberücksichtigte Hochrechnung von Filmerlösen gemacht, und wir sind noch immer die Besten.

Das muß eine gewisse Sicherheit gewährleistet haben, auch für alle, die mit euch zusammengearbeitet haben...
Bud: Wer im Filmgeschäft arbeitet, hat keine Sicherheit. Mit uns war das anders, da wir Erfolg hatten und auch etwas mehr Entscheidungsfreiheit, obwohl die Produzenten die Nebendarsteller lieber selbst ausgesucht hätten. Wir haben immer mit derselben Crew von 12 Stuntmännern zusammengearbeitet, denselben Technikern und Elektrikern. Sie waren gut, sie waren vielleicht etwas teurer, aber wir haben sie ganz automatisch angerufen, weil die Filme sonst nicht so gut geworden wären. Wir haben zum Beispiel unserem Stunt-Koordinator blind vertraut.
Terence: Giorgio Ubaldi. Er war der Beste.
Bud: Und dann die Pferde: Er (Terence) ist verrückt nach Pferden und sucht immer die besten aus!

Ihr seid ab einem bestimmten Punkt eigene Wege gegangen, Bud mit der 'Plattfuß' Serie und Terence mit seiner amerikanischen Karriere...
Bud: Aber das war keine 'Trennung': Wenn wir nicht zusammengearbeitet haben, haben wir andere Dinge gemacht. Man braucht etwa drei Monate, um einen Film zu drehen.
Terence: Wir hatten andere Projekte, wenn wir nicht zusammen gedreht haben. Die 'Trennung' kam, als wir gemerkt haben, daß unsere Zeit vorbei ist.

Aber ein Projekt habt ihr vielleicht doch noch auf Lager?
Bud: Wir haben immer darüber nachgedacht, nochmal zusammen zu drehen, aber dabei ist es auch geblieben. Wir müssen so viele Faktoren berücksichtigen: Vom Drehbuch zu unserer körperlichen Verfassung - und vor allem: was heutzutage gefragt ist!
Terence: Die Zeiten haben sich geändert.
Bud: Projekte existieren eigentlich nicht. Ich habe als Erwachsener Chemie, Jura und Soziologie studiert, um meine Tochter beim Studium zu fördern. Leute, macht nie im Leben Pläne!

Vor einiger Zeit gab es Gerüchte, die besagten, man könnte euch in 'Don Quixote' unter der Regie von Ermanno Olmi sehen...
Bud:
Ja, aber wir haben nicht bedacht, daß wir 'Don Quixote' in eine Komödie verwandeln müßten, um die Leute zum Lachen zu bringen. Terence hat das Drehbuch nie gesehen, weil die Sache ab der Stelle, an der die beiden Protagonisten den Zauberer Merlin treffen, der sie ins Jahr 2000 katapultiert, nicht mehr funktionierte. Wir dürfen nicht vergessen, daß Cervantes Werke mit Dante vergleichbar sind und die Geschichte letztendlich einfach undurchführbar war.

Die Beliebtheit eurer Filme bringt euch vielleicht Unsterblichkeit...
Terence: Nein, das glaube ich nicht, darüber habe ich noch nie nachgedacht.

Draussen steht eine ganze Schar von Fans, acht Jahre und älter, die auf eure Autogramme warten und wenn eure Filme im TV gezeigt werden, sind die Zuschauerzahlen so hoch, daß andere neidisch werden könnten...
Bud:
Wir haben fünf Generationen mit unseren Filmen zum Lachen gebracht.

Es muß doch ein Geheimnis geben...
Bud: Es gibt niemand, der so ist wie wir. Nicht vergessen: Wir waren auch alleine erfolgreich, aber zusammen sind wir unschlagbar. Die Zuschauer kennen unsere Filme auswendig!

Eure Filme sind italienischer Slapstick: Wahrscheinlich ist Jackie Chan der einzige, der heutzutage noch Slapstick dreht...
Bud: Ja, aber seine Filme beinhalten eine große Portion Gewalt, die haben unsere nicht. Wir bringen die Leute nur zum Lachen.
Terence: Unser Slapstick hat eine wiedererkennbare Komponente. Barboni hat uns immer eine lustige Geschichte erzählt, von einem Mann im Kino, der sich einen Western anschaut, in dem der Held in einer Sekunde sechs Leute erschießt und das Publikum sich darüber beschwert, während der eine Mann sagt: "Du kannst es, ja, du kannst es!" Wir haben das nie vergessen. Bud hat mal tatsächlich vier Männer in die Luft befördert, nachdem sie auf ihn sprangen. Ich habe wieder ganz andere Sachen getan, und ich habe sie immer selbst gemacht, dadurch wurde alles glaubwürdiger. Das hat viel ausgemacht, genau wie die Tatsache, daß wir nie Stuntdoubles hatten.

Eure Prügelszenen basierten alle auf Takt und Rhythmus und waren perfekt vorbereitet, damit sich niemand verletzt...
Terence: Als wir 'Die rechte und die linke Hand des Teufels' drehten, gefiel uns allen der Film 'Sieben Bräute für sieben Brüder'. Wir maßen die Dauer der Prügelszene des Films und beschlossen, eine längere zu drehen. Dafür brauchten wir zehn Tage. Ubaldi gab den Rhythmus vor, für jeden Schlag, den wir austeilten und einfingen, für jeden Fall zu Boden.
Bud: Natürlich war auch Glück im Spiel. Wir fingen mit einem Haupdarsteller an, Terence - gutaussehend mit himmelblauen Augen - weil die Haupdarsteller die Gutaussehenden waren, wie Giuliano Gemma und Franco Nero. Dann kam ich: Häßlich, dick, gutmütig und etwas weniger intelligent als er. Ich mußte mit Dingen fertig werden, mit denen die Zuschauer sich identifizieren konnten. Wer würde nicht gern dem Chef eine Lektion erteilen? Als sie mich sahen, dachten sie, sie könnten es!

Bud, du hast immer gern getanzt und hast viele Lieder geschrieben, auch für eure Filme...
Bud: Ich schreibe seit Jahren Songs, unter anderem für Nico Fidenco und Ornella Vanoni, ohne in der Lage zu sein, Noten lesen zu können. Ich setze mich einfach hin, Finger am Klavier, und bitte jemanden, aufzuschreiben, was ich nach Gehör komponiere. Ich singe, hatte jedoch nie Gesangsunterricht, in 'Charleston' habe ich getanzt, in einem anderen Film Saxofon gespielt. Mit 45 Jahren habe ich meinen Pilotenschein gemacht und den Atlantik überquert, von den USA nach Irland. Ich war schon immer ein Dilettant und habe viele Dinge getan, die mir - ich weiß nicht wie - gelungen sind. Es gibt nur zwei Sachen, die ich noch nie im Leben gemacht habe: Balletttänzer und Jockey.

Ihr wart zwei gegensätzliche Charaktere und habt euch doch ergänzt: Bud, der Stille, der seine Ruhe haben will und Ärger aus dem Weg geht und Terence, der Unruhestifter, der den Ärger förmlich anzieht. Damit kann sich das Publikum auch identifizieren...
Bud: Ja, das stimmt. Er stiftet immer Unruhe und provoziert die Leute und dann muß ich alles ausbaden! Aber auch hier war Glück im Spiel, denn wenn es zu der Zeit, als wir rauskamen, jemand anderen gegeben hätte, der in der Lage gewesen wäre, das zu tun, was wir gut konnten, wäre es wahrscheinlich nicht dasselbe gewesen. Oder vielleicht gab es jemand, der aber nicht so gut wie wir war, also hat uns niemand geschlagen... Ich war zehn Jahre lang italienischer Schwimmchampion, weil mich zehn Jahre lang niemand geschlagen hat. Da gibt es keinen Unterschied.

Nachdem ihr euch nun 40 Jahre lang kennt, beschreibt euch bitte gegenseitig.
Terence: Er ist ganz einfach großartig, in jeder Hinsicht.
Bud: Er hat nicht viele Makel, obwohl er Schauspieler ist. Seine besten Eigenschaften sind seine Beharrlichkeit und Zähigkeit, was wahrscheinlich von seiner deutschen Mutter herrührt. Und auch seine inneren Werte, die das Wichtigste sind.

 

Interview geführt von 'Hotdog Magazin' während des Festival 'Primo Piano sull'Autore' in Assisi/Italien, November 2006.
Übersetzung von Terencehill.com, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Hotdog Magazin © 2007