Interview - Festival del Giallo 2006
 
Montag, 27. März 2006: Das Theater San Carlino in Brescia/Italien ist bis auf den letzten Platz belegt, sogar in den Gängen stehen Zuschauer und beobachten gespannt die Bühne. Terence Hill gibt ein Interview in der lombardischen Kleinstadt. Der Anlass ist das "Festival del Giallo", das Festival des Krimis, welches an diesem Wochenende stattfindet. Um 19.15 Uhr beginnt das Interview. Terence Hill betritt die Bühne und wird mit tosendem Applaus begrüßt. Er nimmt am Tisch neben der Journalistin Lilia Gentili platz, die Terence zuerst nach dem Ursprung seiner aktuellen Rolle, dem Priester/Detektiv Don Matteo befragt, dem Protagonisten der gleichnamigen italienischen TV Serie. Terence erzählt:

"Mir haben immer die Geschichten des Pater Brown von Chesterton gefallen, so habe ich vor einigen Jahren Mediaset (italienische Mediengruppe ndr) kontaktiert und ihnen eine meiner Ideen vorgeschlagen: Einen Priester zu spielen, der auch Fallschirmspringer ist und eine abenteurliche Persönlichkeit hat, das gefällt mir. Es passierte jedoch nichts, da mir gesagt wurde, daß der TV Kanal RAI schon ein ähnliches Projekt plante, eine Fernsehserie mit einem Pfarrer als Protagonisten. Einige Zeit später bekam ich einen Anruf der Produktionsfirma Luxvide, die mir genau diese Rolle anbot und mir gleich Drehbücher für vier Episoden der Serie zuschickte. Der Titel der Serie war damals 'Il diavolo e l'acqua santa' ('Der Teufel und das Weihwasser', was sich im italienischen auch als 'Das Böse und das Gute' übersetzen lässt) und der Name des Priesters war eigentlich 'Don Teodoro'. Mit haben die Geschichten und die Drehbücher gefallen, aber der Name des Pfarrers nicht, den habe ich dann geändert! So entstand 'Don Matteo'".

Die Journalistin fragt Terence, ob er Ähnlichkeiten zu seinen früheren Rollen gefunden hat.
"Ich habe ja vor vielen Jahren den Priester 'Don Camillo' gespielt, deshalb war es nun einfacher für mich, 'Don Matteo' darzustellen. Ich versuche auch immer, den Rollen einen Teil meiner eigenen Persönlichkeit zu geben".

Was, glaubst du, sind die Gründe für den großen Erfolg der Serie 'Don Matteo'?
"Ich glaube, daß der Erfolg von 'Don Matteo' mit der Tatsache zu tun hat, daß er, in der heutigen chaotischen Welt, mit seinem Talar, der ja einer Uniform ähnelt, eine Art von Struktur und Ordnung darstellt, die wir ja brauchen. Außerdem hat er eine ausgeprägte Intuition. Er kennt die Menschen, ihre Gefühle und Denkweisen besser als die Polizei und deshalb löst er die Kriminalfälle immer als erster. Ich habe seinen Charakter um meinen eigenen herum aufgebaut. In der ersten Staffel der Serie sind wir der Ernsthaftigkeit seiner Persönlichkeit treu geblieben, in der letzten haben wir ein wenig Ironie des 'müden Joe' dazugegeben... Ich will jedoch, daß das Publikum sich mit Don Matteo identifiziert und deshalb den Schauspieler, der ihn darstellt, vergisst".

Stimmt es, daß du die Serie verlassen wirst ?
"Nach so langer Zeit, so vielen Jahren, gehen wir das Risiko ein, uns zu wiederholen. Ich denke auch an die Zuschauer, vielleicht ist es das beste, aufzuhören, so lange die Serie noch erfolgreich ist. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um zu erzählen, daß Don Matteo in der letzten Episode Italien verlässt und nach Brasilien geht. Das lässt eine Tür offen, man weiß nie, er kommt vielleicht eines Tages zurück... Aber nur, wenn es neue Ideen gibt. Ich habe auch gute Nachrichten: Der Capitano und Laura (Rollen der TV Serie) heiraten endlich!"

Die Zuschauer klatschen begeistert...

Vor kurzem wurde in Umbrien, bei Gubbio, wo die Serie gedreht wurde, ein echter Carabiniere (Polizist) während eines Überfalls, in der Nähe und während der Dreharbeiten erschossen...
"Ja, es war schrecklich. Wir haben mit großem Schmerz erfahren, was es heißt, ein Carabiniere zu sein. Es ist ein Beruf, in dem man sein Leben riskiert".

Deine Karriere hat früh angefangen, wie hat dir das Schauspielern als Kind gefallen?
"Ehrlich gesagt hat mit die Schauspielerei anfangs gar nicht gefallen. Ich habe mich vor den Dreharbeiten immer schlecht gefühlt...".

Du hast lange nicht mit Bud Spencer gedreht, was kannst du uns von ihm erzählen?
"Bud und ich sind gute Freunde. Wir sehen uns nicht oft, telefonieren aber viel. Er schreibt gerade an einer Geschichte, die gut für uns sein könnte...".

Dir wurde in den 70er Jahren die Rolle des 'Rambo' angeboten, stimmt's?
"Ja, die Rolle wurde mir angeboten, nachdem ich 'Mein Name ist Nobody' gedreht hatte. Der Protagonist hieß anfänglich nicht so, die Italiener haben ihm den Namen gegeben und die Amerikaner haben ihn dann übernommen. Ich habe damals das Buch gelesen, von dem das Drehbuch adaptiert wurde. Es hat mir gefallen, aber die Hauptfigur war mir zu brutal. Ich glaube, ich habe damals die richtige Entscheidung getroffen, denn wenn ich Rambo gespielt hätte, wäre mir niemals die Rolle des Don Matteo angeboten worden"!