ein Reisebericht von Valentin Slaby
Italien, Toscana: Mittwoch 29.10.2003, ca. 8 Uhr morgens.
Mein Vater und ich machen uns auf den Weg von Murlo (etwa
20km südlich von Siena) in Richtung Camerata Nuova,
ein kleines Dorf am Rande des Monte Simbruini. Vor uns liegen
genau 268km – Hinweg! Vor meinem Toscana-Urlaub hatte
ich hier auf der Terence-Hill-Homepage über den Drehort
des Films "Die rechte und die linke Hand des Teufels"
erfahren. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, die Hochebene
"Camposecco" unbedingt zu besuchen. Wir fuhren
die Autobahn A1 bis auf die Höhe von Rom und dann Richtung
Osten auf der A 24 bis etwa Roviano. Spätestens bei
Carsoli-Oricola sollte man die Autobahn verlassen. Eine
unterwegs extra gekaufte "Lazio-Karte" half uns,
den richtigen Weg nach Camerata Nuova zu finden.
Es war schon irgendwie komisch, als wir mit unserem dunkelblauen
Golf in dem Dorf ankamen. Die Hauptstraße endet direkt
auf einem Kirchplatz. Einige italienische Senioren beobachteten
uns misstrauisch, als wir ausstiegen. Als erstes haben wir
den Arzt, der gerade in dem Dorf zu Besuch war gefragt,
wo es zum "Camposecco" geht. Da mein Vater nicht
so gut italienisch kann und ich überhaupt nicht, haben
wir uns mit Händen und Füßen auf französisch
verständigt. Jedenfalls meine er hinter dem Kiosk den
Berg rauf.
Da
wir Hunger hatten und es in dem Dorf kein Restaurant oder
ein Bistro gab, sind wir in einen Kramladen rein und haben
uns mit Wurst und Äpfeln eingedeckt und sind dann die
Teerstraße hinter dem Kiosk raufgefahren. Nach ein
paar hundert Metern kommt man an einer Hinweistafel vorbei.
Noch etwa 20 Meter weiter geht die Straße in eine
Schotterpiste mit teilweise faustgroßen Steinen über.
Wir fuhren diese Piste etwa 50 Meter. Die Piste war für
unseren Golf III nicht geeignet. Wir ließen uns zurückrollen
und parkten an der Hinweistafel. Ohne Allradfahrzeug würde
ich niemandem diesen Schotterweg empfehlen. Außerdem
sollte man gut versichert sein. Also gingen wir zu Fuß.
Wir hatten keine Angabe, wie lange es dauern würde
bis zum Camposecco, aber wir sind losmarschiert. Die Schotterpiste
macht 2-3 Biegungen und schlängelt sich den Berg herauf.
Nach einigen hundert Metern kamen wir an einer Madonna-Figur
vorbei, die unter einem Felsvorsprung stand. Da es sehr
stark zu regnen anfing haben wir uns erst mal unter den
Felsen gesetzt und eine Pause eingelegt. Bei unserem Aufstieg
kamen uns einige Autos entgegen. Vom Jeep bis zum Laster
war alles dabei. Sogar mit ein Fiat Panda ist da runtergefahren.
An einer Weggabelung bei einer Brücke gingen wir links.
Kurz hinter der Brücke stand auch wieder eine Hinweistafel.
Demnach sollten es noch etwa 3-4 Kilometer sein - na danke!
Wir mussten ja auch irgendwie wieder runterlaufen und dann
nochmal 268 km zurück bis nach Murlo fahren.
Jedenfalls
kamen wir immer höher. Die "Straße"
verlief durch ein enges Tal und wir bekamen Gesellschaft
von Pferden, Kühen und Eseln - von den ganzen Kuh-Fladen
mal abgesehen. Das Tal wurde breiter und rechts und links
bekamen wir immer mehr Hügel und Felsen zu sehen. Ich
hatte das Foto von der Homepage immer vor Augen. Ich bin
dann, als sich das "Tal der Siedler" so langsam
zeigte, nur noch mit meinem Stativ und meiner Videokamera
losgerannt - von einem Hügel zum anderen. Der Regen
hörte kaum auf und ich bekam Wasser auf die Linse.
Mir blieben daher nur zwei bis drei kleine Schwenks über
nebligem, nassem Gras. Die Zeit drängte und wir mussten
auch wieder zurück. Der eigentliche Aufenthalt dauerte
vielleicht 15 Minuten.
Interessant war jedenfalls der Hinweis auf einer Infotafel,
dass es da oben auch Bären und Wölfe gibt - super,
ich fühlte mich gleich viel besser! Für den Abstieg
wollten wir einen anderen Weg wählen – eine Abkürzung,
es gab ja rot-weiß markierte Wanderwege. Den Abstieg
kann ich kaum in Worte fassen. Wir sind über Stock
und Stein quer durch das Gebüsch den Berg runter -
wie man so was als Wanderweg auszeichnen kann - da fehlen
mir die Worte. Dann ging auch noch ein Gewitter los und
wir sind im Schweinsgalopp da runter gelaufen. Letztendlich
kamen wir an einer Kapelle raus, ab der wieder ein Schotterweg
weiterging, der dann zu der Gabelung bei der Brücke
führte. Wir waren nass bis auf die Knochen und dreckig
von der Schlammpartie, aber es war SUPER !!!
Tipps
für alle, die sich irgendwann auch mal auf den Weg
zum "Camposecco" machen wollen:
1) Per Auto: nur mit voll versichertem Privat- oder Mietwagen,
oder gleich mit einem 4x4 Jeep
2) Zu Fuß: gutes Schuhwerk (Wanderschuhe), Regenschutz
(auch für die Kamera), Proviant und Ausdauer (Aufstieg
ca. 1,5 bis 2 Stunden)
3) Achtung: Hier gibt es Bären, Wölfe und Schlangen!
4) Die Hinweistafeln mit den abgedruckten Wanderkarten und
Wegen sind, milde ausgedrückt, für'n Eimer. Es
gibt da oben nur 2 Schutzhütten, die aber nicht unmittelbar
an der Straße liegen.
5) Den Abstieg nicht unterschätzen, es zieht sich.
Etwa 2/3 der Zeit sind dazu nötig.
Fotos zum Vergrößern anklicken!
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